KI-Kunst und Jobs: Ümüt Yildiz über AI-Slop und Kreativität

Das Ende der Kunst? KI-Dozent Ümüt Yildiz über AI-Slop und Jobs-Angst

Das Ende der Kunst? KI-Dozent Ümüt Yildiz über AI-Slop und Jobs-Angst

22. September 2026 · Kollegin KI

Ist KI das Ende der Kunst oder nur ein neues Werkzeug? KI-Dozent Ümüt Yildiz diskutiert über AI-Slop, Job-Ängste bei Kreativen und die lange Geschichte von algorithmischer Kunst. In der Episode Das Ende der Kunst? des Podcasts Kollegin KI, produziert von Podstars by OMR, spricht Host Max Mundhenke mit dem Digital Artist und Hochschuldozenten Ümüt Yildiz über die tiefgreifenden Veränderungen, die künstliche Intelligenz in der Kreativbranche auslöst. Das Gespräch beleuchtet die Wurzeln generativer Kunst im Creative Coding der 1960er-Jahre, analysiert die aktuelle Debatte um minderwertigen KI-Content und thematisiert die berechtigten Sorgen von Künstlerinnen und Künstlern. Die zentrale Frage dabei ist, wie wir KI als Werkzeug nutzen können, ohne die menschliche Kreativität und den Wert künstlerischer Arbeit zu untergraben.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • KI-Kunst ist keine neue Erfindung: Die Idee, Kunst algorithmisch zu erzeugen, reicht bis in die 1960er-Jahre zurück. Das sogenannte Creative Coding, bei dem Künstler wie Georg Nes und Vera Molnar den Zufall als kreatives Element nutzten, ist der Vorläufer der heutigen generativen KI.
  • Der Mensch macht den Unterschied: Die Qualität von KI-generierten Werken hängt entscheidend vom Konzept, dem Geschmack und den Fähigkeiten des Menschen ab, der das Werkzeug bedient. Zwischen gedankenlosem AI-Slop und anspruchsvoller KI-Kunst liegt ein kreativer Prozess, der echtes Handwerk erfordert.
  • Job-Angst in einer ohnehin prekären Branche: Die Furcht vor Jobverlusten ist real, doch die Kreativbranche war schon immer hart umkämpft. Laut Ümit werden ein starkes Portfolio und ein ausgeprägter kreativer Stil auch in Zukunft entscheidend sein, um sich durchzusetzen.
  • Das ethische Kernproblem sind die Trainingsdaten: Ein Hauptgrund für die Ablehnung von KI-Kunst ist die Tatsache, dass viele Modelle auf urheberrechtlich geschütztem Material trainiert wurden, ohne die Urheber zu fragen oder zu entlohnen.
  • Zwischen Hype und Hass liegt die Mitte: Ümit plädiert für einen differenzierten Blick, der sich von den Extremen der Debatte löst. Weder die blinde Euphorie der Tech-Bros noch die totale Ablehnung traditioneller Künstler führen weiter. KI sollte als mächtiges, aber kontrollierbares Werkzeug verstanden werden.

Vom Algorithmus zur Kunst: Die Wurzeln im Creative Coding

Die aktuelle Aufregung um generative KI lässt oft vergessen, dass die Verbindung von Code und Kreativität eine lange Tradition hat. Max eröffnet die Folge mit einem Verweis auf den Informatiker Georg Nes, der bereits 1960 algorithmisch geometrische Zeichnungen erstellte. Ümit ergänzt diese historische Einordnung um die französische Künstlerin Vera Molnar, eine Pionierin, die den Zufall gezielt in ihre computergenerierten Werke einbaute. Dieser Ansatz, bei dem ein Algorithmus innerhalb eines vom Menschen geschaffenen Konzepts Freiheiten erhält, bildet die Grundlage des Creative Coding. Er steht im direkten Zusammenhang mit der probabilistischen, also auf Wahrscheinlichkeiten basierenden, Funktionsweise moderner KI-Modelle. Die Debatte um den künstlerischen Anspruch ist also nicht neu, sondern begleitet die digitale Kunst seit ihren Anfängen.

Wie hat sich die Wahrnehmung von KI-Kunst verändert?

Ümit Yildiz arbeitet seit Jahren an der Schnittstelle von Technologie und Kunst. Schon vor dem Hype um Tools wie Midjourney nutzte er Modelle wie Stable Diffusion, um Musikvideos, etwa für den Rapper Cro, zu produzieren. Damals, so erklärt er, war dies ein hochtechnischer und spezialisierter Prozess. Man musste eigene Datensätze trainieren und hatte weitreichende Kontrolle über Parameter - eine Arbeit, die eher eine neue künstlerische Disziplin darstellte, als dass sie bestehende ersetzte. Heute ist die Situation eine andere. Die einfache Zugänglichkeit der Tools hat zu einer Flut an Inhalten und einer starken öffentlichen Gegenreaktion geführt. Max nennt das Beispiel eines KI-generierten Musikvideos von Farin Urlaub, das in den Kommentaren scharf kritisiert wurde. Der Vorwurf: Man spare Geld auf Kosten echter Künstler. Ümit versteht diese Kritik, weist aber darauf hin, dass KI gerade bei knappen Budgets die Umsetzung kreativer Ideen überhaupt erst ermöglichen kann, die sonst unrealisierbar wären.

AI-Slop, Memes und der kulturelle Wert von Massen-Content

Ein zentraler Begriff in der Diskussion ist AI-Slop - minderwertiger, schnell produzierter und oft unorigineller KI-Content. Ümit kritisiert insbesondere Arbeiten, die erfolgreiche, menschlich geschaffene virale Hits - wie die Tanzperformance im Musikvideo von Yung Lean - einfach mit KI kopieren. Er empfindet dies als respektlos gegenüber der ursprünglichen kreativen Leistung. Gleichzeitig erkennen Max und er an, dass selbst billig produzierter KI-Content einen neuen kulturellen Wert entfalten kann. Absurde Videos wie die Italian Brain Rot-Memes oder Geschichten über sprechende Früchte sind Teil der neuen Internetkultur. Sie sind gewissermaßen die Memes 2.0. Die Demokratisierung der Werkzeuge erlaubt es jedem, auch die bizarrsten Ideen zu visualisieren, was zu authentischen und unterhaltsamen Ergebnissen führen kann, die es ohne KI so nie gegeben hätte.

Die Angst vor dem Jobverlust: Eine berechtigte Sorge für Kreative?

Vor allem unter Studierenden und jungen Kreativen ist die Angst groß, dass KI ihre beruflichen Aussichten zerstört. Ümit, der als Dozent an der Hochschule Niederrhein lehrt, begegnet dieser Sorge mit einer pragmatischen Sicht. Er betont, dass die Kreativbranche schon immer ein hartes Pflaster war, in dem nur die Besten mit einem herausragenden Portfolio eine Chance hatten. Das werde sich durch KI nicht ändern. Geschmack, ein gutes Auge und eine originelle kreative Vision ließen sich nicht durch ein Tool ersetzen. Oft, so seine Beobachtung, stecke hinter dem lauten Hass gegen KI auch die eigene Unsicherheit. Statt in Polemik zu verfallen, plädiert er für einen offenen Dialog, um Ängste abzubauen und die Technologie konstruktiv zu gestalten.

Das ethische Dilemma: Training mit gestohlenen Daten und die Gefahr von Open Source

Der wohl wundeste Punkt der gesamten Debatte ist die Herkunft der Trainingsdaten. Viele große KI-Modelle wurden mit Milliarden von Bildern und Texten aus dem Internet trainiert, ohne die Urheber um Erlaubnis zu bitten oder sie zu vergüten. Dieser Diebstahl geistigen Eigentums, wie Max es nennt, ist der Kern des Problems und treibt viele Künstler auf die Barrikaden. Eine mögliche Lösung wäre eine Art VG KI - eine Verwertungsgesellschaft, die Lizenzen vergibt und Einnahmen an die Urheber ausschüttet. Eine weitere Gefahr sieht Ümit in unregulierten Open-Source-Modellen. Während kommerzielle Anbieter wie Adobe oder Black Forest Labs (die Entwickler hinter Stable Diffusion) technische und inhaltliche Guardrails einbauen - zum Beispiel, indem sie ihre Modelle ohne Nacktheit trainieren -, ermöglichen offene Modelle die Erstellung jeglicher Inhalte, einschließlich Deepfakes und anderer schädlicher Darstellungen. Hier fehle es an Regulierung, um Missbrauch zu verhindern.

Denkanstöße für einen bewussten Umgang mit KI

Aus dem Gespräch mit Ümit Yildiz lassen sich mehrere Prinzipien für einen verantwortungsvollen Einsatz von KI in der Kreativbranche ableiten:

  1. Das Konzept steht an erster Stelle: Nutze KI nicht, um eine Idee zu finden, sondern um eine bereits durchdachte Vision zu verwirklichen. Ümit selbst zeichnet seine Storyboards weiterhin von Hand, um seine Gedanken zu strukturieren, bevor er die Technologie einsetzt.
  2. Kultiviere dein Handwerk: Gib dich nicht mit dem ersten Ergebnis zufrieden. KI ist ein Werkzeug, das Iteration, Kritik und die Kombination mit anderen Fähigkeiten erfordert. Dein Wissen über Kunst, Design und Kultur ist wertvoller als jeder Prompt.
  3. Führe einen Dialog, keine Polemik: Die Debatte ist von Extremen geprägt. Suche das Gespräch mit anderen Kreativen, um Ängste, Chancen und ethische Grenzen konstruktiv zu diskutieren, anstatt in pauschale Ablehnung oder blinden Hype zu verfallen.
  4. Sei dir der Quelle bewusst: Hinterfrage, mit welchen Daten die von dir genutzten Modelle trainiert wurden. Bevorzuge Plattformen, die auf transparente und ethisch unbedenkliche Datensätze setzen, um die Arbeit anderer Künstler zu respektieren.

Botcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Ich beschäftige mich beruflich wie privat mit Künstlicher Intelligenz - von konkreten Tools im Arbeitsalltag bis zu den größeren Fragen, die dabei aufkommen. Viele der Themen, die in Podcasts besprochen werden, begegnen mir in Projekten immer wieder. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ordne sie aus der Praxis ein.

Mehr über das Projekt Botcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Botcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts rund um Künstliche Intelligenz. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Als Digital Artist hat Ümüt Yildiz für Kathy Perry und Cro gearbeitet. Als Dozent an der Hochschule Niederrhein bringt er der nächsten Generation von Kreativen die Arbeit mit KI-Tools bei. In dieser Episode sprechen Ümüt Yildiz und Podcast-Host Max Mundhenk über Creative Coding und die Rolle von KI im Designprozess. Der Gast beleuchtet den historischen Bogen von Pionieren der 1960er-Jahre bis zu modernen generativen Modellen. Im Zentrum steht seine These, dass KI das künstlerische Gespür nicht ersetzt, sondern menschlicher Geschmacks- und Haltungssinn im Zusammenspiel mit der Technologie weiterhin den Unterschied macht. Die Episode diskutiert kritisch Urheberrechtskonflikte, Urängste von Studierenden und die Balance zwischen analoger Handwerkskunst und digitaler Effizienz.

Das sind die Themen dieser „Kollegin KI“-Episode:

Pioniere der Code-Kunst: Wie Georg Nees und Vera Molnár schon in den 1960er-Jahren Computer und Zufallsalgorithmen für Kunstwerke nutzten.Creative Coding: Warum durch gezielte Steuerung logischer Codes in Kombination mit unvorhersehbaren Parametern neue Ästhetiken entstehen.KI-basierte Kunst: Welche Möglichkeiten sich durch Stable-Diffusion-Modelle für moderne Musikvideos ergeben haben.Wahrnehmung und Kritik: Warum die öffentliche Akzeptanz zwischen Ablehnung angeblichen KI-Slops und euphorischer Anerkennung so extrem schwankt.Ängste unter Studierenden: Welche Sorgen den Nachwuchs in der umkämpften Kreativwirtschaft umtreiben, obwohl am Ende auch mit KI die beste Idee gewinnt. Urheberrecht und Daten: Wo das Fehlen von Vergütungsmodellen und Transparenz beim Training großer KI-Systeme für berechtigten Unmut sorgen.Gefahren von Open-Source: Wieso frei verfügbaren Modelle die Risiken für Missbrauch wie Deepfakes oder unerwünschte Inhaltsgenerierung erhöhenMitte der Welten: Warum die beste kreative Arbeit entsteht, wenn handwerkliche Grundlagen, analoge Vorarbeit und KI-Werkzeuge harmonisch miteinander verschmelzen.

Weiterführende Links:

Der Chatbot zur Folge: https://bio.to/KolleginKI_Chatbot

Ümüt Yildiz bei Linkedin: https://www.linkedin.com/in/ümüt-yildiz-83312956/

Sein Instagram-Profil: https://www.instagram.com/uemuetyildiz

Das erwähnte Video von Yung Lean: https://youtu.be/x6_mbnsh6VU Max Mundhenke bei Linkedin: https://www.linkedin.com/in/tomkraftwerk/

Produktion: Podstars by OMR

Diese Folge wird gesponsert von ElevenLabs